von Esther Ferstl, Klimaschutzmanagerin der ELKB, Landeskirchenamt der ELKB

Wäre das Internet ein Land, läge es weltweit auf Platz 6 beim CO2-Ausstoß!1

“Ganz schön viel”, denken sich da einige und suchen nach Maßnahmen, wie sie in der digitalen Welt ihren CO2-Fußabdruck verringern können. Um zu verstehen, welche wirklich sinnvoll sind, sollte man sich zunächst überlegen, woher die Emissionen überhaupt kommen.

Datenverarbeitung benötigt Strom

Egal, ob wir eine E-Mail versenden, den Kolleg*innen am anderen Ende der Welt per Video anrufen oder nur mal schnell etwas googeln – immer müssen Daten versendet und verarbeitet werden. Dazu benötigen die Server und Rechenzentren Strom. Und zwar eine ganze Menge: Allein in Deutschland werden rund 13,0 TWh (= Terrawattstunden (= 13 Milliarden kWh!)) pro Jahr verbraucht. Zum Vergleich: Der Stromverbrauch aller Münchner Haushalte im gleichen Zeitraum liegt bei 2,5 TWh.

Zudem sehen wir seit Jahren, dass die Digitalisierung immer weiter voranschreitet – wir brauchen also immer mehr Strom!

Einsparen

Einspartipps gibt es wie Sand am Meer. So stimmt es zum Beispiel, dass ein Internetzugang über ein Glasfasernetz 15x weniger Strom benötigt als ein Kupferkabel, beide aber deutlich besser sind als die Übertragung per WLAN.  Nachhaltige Internetanbieter und “grüne” Suchmaschinen, wie zum Beispiel Ecosia, verwenden Ökostrom um ihre Server zu betreiben bzw. gleichen unvermeidbare Emissionen per CO2-Kompensation aus. Wer gerne Streamingdienste nutzt, lädt Filme und Serien besser herunter oder reduziert die Bildqualität. Und bei Videokonferenzen zwischendurch einfach mal die Kamera ausmachen.

Klimaneutral? Aufgepasst!

Ein beliebter Tipp ist auch: Löschen Sie alte E-Mails, denn auch das Speichern braucht Energie!

Super, denken sich da einige, lassen 100 Mails in den Papierkorb wandern, um am nächsten Tag mit dem Auto die 15 km in die Arbeit zu fahren – schließlich hat man ja schon etwas Gutes für die Umwelt getan! Oder?

Leider ist es nicht ganz so einfach. Eine durchschnittliche E-Mail verursacht ca. 4 g CO2-Emissionen, macht bei 100 gelöschten Mails 400 g CO2, das man dadurch gespart hat. Das durchschnittliche Auto braucht aber bereits 150 g CO2/km. Für den Weg in die Arbeit fallen also mindestens 2250 g CO2 an. Noch schlimmer ist da nur das Rindersteak am Abend: bereits 200 g verursachen 2660 g CO22!

Eine Ersatzmaßnahme für andere Bereiche ist das E-Mail-Löschen also nicht.

Viel mehr lässt sich im digitalen Bereich einsparen, wenn man Computer, Smart-TV und Co. mit zertifiziertem Ökostrom betreibt (- 90% Emissionen3) und schon bei der Anschaffung darauf achtet, möglichst energieeffiziente Geräte zu nutzen. Reduzieren Sie Menge und Nutzungsdauer wo immer möglich und achten Sie darauf, dass die Geräte, wenn sie nicht genutzt werden, auch wirklich ausgeschalten sind.

Ist die Digitalisierung also klimaschädlich?

Ganz klar: Nein. Aber sie hat eben auch so ihre Tücken. Generell sparen wir durch optimierte Prozesse viel CO2: Eine E-Mail verursacht im Durchschnitt etwa nur 1/6 bis 1/60 der Emissionen eines echten Briefs4 und Videokonferenzen rechnen sich schon ab einem Anfahrtsweg von mehr als 5 Kilometern! Wichtig ist es, sich der Dauer und Intensität der Nutzung bewusst zu werden. Wer nun täglich hunderte Mails statt ein paar wenigen Briefen schickt, hat nichts gewonnen.

Digital? Ja, aber in Maßen!

Es gilt: Im Bereich der Digitalisierung lässt sich Einiges einsparen! Reduzieren Sie Datenmengen und nutzen Sie das Internet bewusst. Damit können Sie definitiv Strom und Emissionen sparen. Vergessen Sie dabei aber nicht, dass das nur ein kleiner Teil des Ganzen ist und besonders die Bereiche Ernährung, Mobilität und Heizen noch viel Verbesserungspotential haben.


Fußnoten

1 Statista, Stand 02/2022, Zugriff am 10.8.2023, https://de.statista.com/infografik/26873/co2-vergleich-dsl-und-glasfasernetz/.

2 Statista, Stand 01/2022, Zugriff am 15.09.2023, https://de.statista.com/infografik/20578/treibhausgasemissionen-bei-der-konventionellen-fleischproduktion/

3 im Vergleich zu konventionellem Strom.

4 Der Nachhaltige Warenkorb, Zugriff am 10.8.2023, https://www.nachhaltiger-warenkorb.de/klimabilanz-e-mail-vs-brief/.

Quellen

Der Nachhaltige Warenkorb, Zugriff am 10.8.2023, https://www.nachhaltiger-warenkorb.de/klimabilanz-e-mail-vs-brief/.

Statista, Stand 01/2022, Zugriff am 15.09.2023, https://de.statista.com/infografik/20578/treibhausgasemissionen-bei-der-konventionellen-fleischproduktion/.

Statista, Stand 02/2022, Zugriff am 10.8.2023, https://de.statista.com/infografik/26873/co2-vergleich-dsl-und-glasfasernetz/.


3 Kommentare

Kurt KE Enzingmüller · 22. September 2023 um 09:58

das ist alles gut -aber was allein in den Abläufen innert der ELKB an bedrucktem Papier produziert und versendet wird, ist enorm (auch der Postversand prodiziert nocheinmal CO2)
Z.B. im Rahmen der Beihilfeabwicklung (Bescheid+Angtragsseiten) oder die seitenweisen Mitteilungen der PSZ – dann lieber E-Mail oder vielleicht doch eine Art kirchliches Elsterportal wie schon lange in der Finanzverwaltung.

    Esther Ferstl · 19. Oktober 2023 um 13:00

    Sehr geehrter Herr Enzingmüller,

    da gebe ich Ihnen absolut Recht! Da hat die ELKB noch vieles zu tun, bis alle Verwaltungsabläufe so gut es geht digitalisiert werden. Wichtig ist ja nur, dass dann nicht x Mails statt einem einzelnen Brief versandt werden und vielleicht gleichzeitig noch alles parallel in verschiedenen Datenbanken gespeichert wird.

    Der Gedanke zum Text war ja auch nicht, die Digitalisierung zu verteufeln! Es muss lediglich ein Bewusstsein dafür entstehen, dass nur weil etwas energie- oder ressourceneffizienter ist, es nicht überproportional mehr genutzt werden soll als den Prozess den es ersetzt. Suffizienz ist hier das Stichwort!

Christian Pfliegel · 11. Oktober 2023 um 13:29

Volle Zustimmung Kurt KE Enzingmüller! Ich wundere mich jeden Monat, dass die ELKB die Lohnabrechnungen noch per Post verschickt als eigentlich klimabewusste Organisation. Bei 100.000 Mitarbeitenden sind das viele Briefe jeden Monat …

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