von Jens Palkowitsch-Kühl, Referent für digitale Bildung, RPZ Heilsbronn und landeskirchlich Beauftragter für die Koordination im Bereich E-Learning | veröffentlicht am 29. April 2024

Taskcards-Board zum Austausch >> Ergänzen und erweitern Sie das Board gerne um Ihre Erfahrungen oder auch um Ihren Steckbrief, wenn Sie Interesse an kollegialem Austausch haben.

Kirche und KI

Es ist ein Allgemeinplatz geworden: Künstliche Intelligenz verändert unsere Gesellschaft. Die Frage ist: “Verändert sie auch Kirche bzw. kirchliches Handeln?”.

Generative Künstliche Intelligenz (GenAI), z.B. Large-Language-Modelle (LLMs) wie das wohl bekannteste System ChatGPT von OpenAI sind nicht mehr aus dem Alltag vieler Menschen wegzudenken. Kurz die Zusammenfassung eines Berichtes erstellt, eine komplexe Vorgangsbeschreibung in einfache Sprache umgewandelt oder die Hintergrundfarbe eines Fotos verändert: Das sind mitunter die einfachsten Aufgaben derartiger Assistenzsysteme, welche sie in Sekundenschnelle für uns erledigen.

“Doch welchen Weg sollte Kirche mit dieser neuen Schöpfungskraft beschreiten?”
Drei Experten auf dem Feld der künstlichen Intelligenz haben beim Netzwerk Digital des Digitalportals am 25.04.24 aus ihren jeweiligen unterschiedlichen Arbeitsbereichen Impulse gesetzt, um erste Schritte auf dem Weg der Beantwortung dieser Fragestellung zu beschreiten.

  • Dr. Jürgen Pelzer vom Diakonischen Werk Bayern e.V.
  • Christian Pfliegel von Mission EineWelt
  • Dr. Jens Palkowitsch-Kühl von der Arbeitsstelle Digitalisierung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern
Generative KI in der Öffentlichkeitsarbeit bei Mission EineWelt

Christian Pfliegel präsentierte die Möglichkeiten von generativer KI im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit, indem er in Programmen zur Grafikgestaltung demonstrierte, wie KI-Features wie Hintergundentfernung, Bildverbesserung, Hinzufügen neuer Objekte etc. die Gestaltungsmöglichkeiten erweitern und den Arbeitsprozess effektiver gestalten. Er gab einen Ausblick dahin, dass diese Möglichkeiten zunehmend in bestehende Standardsoftware wie z.B. Microsoft Office (M365), Adobe Photoshop usw. integriert werden. Viele Kirchengemeinden können bereits jetzt auf KI-Features in Canva zurückgreifen.

Beratungsbots in der diakonischen Arbeit

Dr. Jürgen Pelzer berichtete von den Möglichkeiten des Einsatzes in der Beratung von Generativer KI. Beispielsweise kann ein großes Sprachmodell wie ChatGPT auf die Frage nach einer Behandlung einer spezifischen Erkrankung unterschiedliche Herangehensweisen zur Linderung aufzeigen.
Sogenannte CustomGPTs, das sind Sprachmodelle, die individualisiert werden, um eine bestimmte Tätigkeit auszuführen, sind für einen solchen Einsatz geradezu prädestiniert. Dabei wird der System-Prompt, d.h. der Grundbefehl, wie ein solches Sprachmodell interagieren soll, spezifiziert: “Du handelst als eine systemische Beraterin. Folgende Vorgehensweise … etc..
Probieren Sie es doch einfach einmal selbst aus, indem Sie unsere ehrenamtliche Linda einmal nach einem Tipp für die Jugendarbeit vor Ort fragen. Aber Achtung: Sie spricht und schreibt fränkisch:

Darüber hinaus gab er uns einen Einblick in voize, einer neuen App, die den Dokumentationsaufwand mittels Spracheingabe drastisch reduzieren soll: “Mehr Zeit für pflegebedürftige Menschen”.
Das Evangelische Werk für Diakonie und Entwicklung hat im Februar Leitlinien zur Nutzung von Künstlicher Intelligenz herausgegeben, um einen verantwortlichen, sicheren und ethischen Einsatz von KI in der Arbeit des Evangelischen Werks für Diakonie und Entwicklung e.V. (EWDE) zu gewährleisten. Besonders hervorzuheben ist hierbei, dass die Mitarbeitenden dazu ermutigt werden, offen und neugierig gegenüber diesen neuen Werkzeugen zu sein (S.2).

Kirche braucht eine KI-Strategie

Dr. Jens Palkowitsch-Kühl zeigte anhand des 2024 AI Index Report der Stanford University die resultierenden Implikationen für Kirche auf, indem er fünf Schlüsse daraus zog:

  • “KI macht Arbeitnehmer*innen produktiver und führt zu höherer Arbeitsqualität”: KI-Werkzeuge müssen seitens der Kirche bereitgestellt werden
  • “KI schlägt den Menschen bei einigen Aufgaben, aber nicht bei allen.”: Identifikation von sinnvollen und verantwortbaren Use-Cases von KI in kirchlichen Handlungsfeldern
  • “Modellentwicklungen werden viel teurer”: Bestehende Initiativen nutzen und unterstützen (z.B. Open-Soure-Modelle)
  • “Die Menschen auf der ganzen Welt sind sich der potenziellen Auswirkungen der KI bewusster – und ängstlicher geworden.”: Bildung und Aufklärung hinsichtlich der Entwicklung rund um KI allgemein und spezifisch in kirchlichen Kontexten
  • “Die Zahl der KI-Vorschriften in den Vereinigten Staaten nimmt stark zu.”: Regelungen ethischen Umgangs mit KI in Kirche

Es benötigt eine landeskirchenweite KI-Strategie, um diese neue Technologie hinsichtlich ihres Potenzials für Kirche zu bewerten und ethisch verantwortlich einzusetzen. Diese Strategie muss gemeinsam mit Vertreter: innen der unterschiedlichen Berufsgruppen erarbeitet werden: “KI geht jede und jeden etwas an, denn sie wird jedes Arbeitsfeld transformieren.” so Palkowitsch-Kühl. “Wir müssen uns als Kirche entscheiden, welche Transformation und auf welche Art und Weise wir diese wünschen bzw. unterstützen. Möchten wir beispielsweise die Seelsorge an einen KI-Chatbot auslagern?”

Dieses Thema wirft eine gesamtkirchliche Brisanz auf, die Kirche auch gemeinsam angehen muss. So entwirft die Arbeitsstelle Digitalisierung der ELKB das Konzept eines Kompetenzzentrums Zukunftstechnologien. “Kirche benötigt einen Ort, an dem zukünftig notwendige Kompetenzen basierend auf (neuen) technologischen Veränderungen strukturell identifiziert, auf- und ausgebaut werden.” führt Palkowitsch-Kühl aus. An dieses Kompetenzzentrum können unterschiedliche Zukunftstechnologien angedockt werden, z.B. ein KI-Hub. Die Aufgaben eines solchen Hubs bestünde zum einen in der Vernetzung mit anderen Hubs (z.B. Trend- und Experimentierhub des Campus Kommunikation) und zum anderen in mindestens vier Aufgabenbereichen: Innovationsförderung, Bildung und Aufklärung, Entwicklung ethischer Leitlinien und der Interdisziplinarität:

Gemeinsam gilt es nun vor allem eine technologische Infrastruktur aufzubauen, die es allen hauptberuflichen und ehrenamtlichen Mitarbeitenden ermöglicht KI-Dienstes zu nutzen und Use-Cases auszumachen, welche den Einsatz von KI rechtfertigen. Hierfür wird aktuell ein Netzwerk etabliert, um gemeinsam im Austausch diese Herausforderungen anzugehen.

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