von Boris Hollitzer, IT-Sachbearbeiter, Landeskirchenamt

Geoinformationssysteme werden in vielen Bereichen genutzt, unter anderem im Marketing, der Stadtplanung, oder dem Ressourcenmanagement. Geoinformationssysteme erweitern die Nutzungsmöglichkeiten der klassischen Landkarte und bieten zahlreiche Funktionen zur Analyse von Geodaten. So lassen sich alle Informationen mit einem Orts- oder Raumbezug als „angereicherte Landkarte“ darstellen. Dies ist zum Beispiel sehr anschaulich bei der Weihnachtskarte 2022 vom Landesamt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung umgesetzt. Dort wird dargestellt, in welchen Regionen besondere Dialektworte für das „kleine Weihnachtsgebäck“ verbreitet sind:

Weihnachtskarte 2022 des Landesamt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung in Kooperation mit dem Bayerischen Wörterbuch der Bayerischen Akademie der Wissenschaften unter Verwendung einer Sprachkarte aus dem Kleinen Bayerischen Sprachatlas

Plätzlein (mundartlich Bletzla, Blatz(a)l u.a.) ist die in weiten Teilen Bayerns übliche Verkleinerungsform von „Platz“, das nicht nur „freier Raum“, „Ort“ bedeutet, sondern auch einen flachen Kuchen bezeichnen kann. Nur im äußersten Nordwesten sagt man auch in der Mundart Plätzchen.

Zeltlein (Zejtl, Zoitl u.a.) ist eine Verkleinerung zu „Zelten“, was ebenfalls „flacher Kuchen“ bedeutet. Das Wort ist auch in „Lebenszelten“ (Lebkuchen) enthalten. Es liegt sogar dem Wort „Fleischpflanzerl“ zugrunde, welches ursprünglich ein lautlich verformtes „Fleisch-pfann-zelten“ ist.

Auf einem Brotlaib und seine Form nehmen die Verkleinerungsformen Laiblein (Loible, Laibla u.a.) und Brötlein (Breedle) Bezug.

Gutlein (Guatl) und Gutslein (Guatsl, Guatsla) sind Verkleinerungsformen zum substantivierten Adjektiv „gut“ und leiten sich vom guten Geschmack des Kleingebäcks her. Der Form „Gutslein“ liegt „Gutes“ (Guats) zugrunde.

Hinweis: In der Karte verkleinert gedruckte Buchstaben wie z.B. in „Leawlan“ repräsentieren unbetonte gemurmelte a- oder e-Laute im Auslaut oder am Ende eines Zwielautes.1

Auch die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern nutzt ein Geoinformationssystem für ihre strategische Planung im Sozialraum. Die Bedeutung der Kirchengemeindegrenze tritt in den Hintergrund und der gesamte Sozialraum der Gemeinde wird in den Blick genommen. Wo entstehen zukünftig Neubaugebiete, in denen verstärkt Familien mit Kindern einziehen werden? Kann die Gemeinde dort die Trägerschaft für einen Kindergarten übernehmen? Gibt es besondere soziale Herausforderungen, bei denen die Kirche einen Beitrag zur Verbesserung der Situation leisten kann? Wo muss ein Gemeindehaus erhalten bleiben und wo kann es zukünftig mit einem anderen Schwerpunkt weitergenutzt werden?

Wichtig ist zu sehen, dass jede Gemeinde ihre eigenen Fragen und Herausforderungen hat. Eine „Einheitslösung“, die für alle passt, gibt es nicht. Mit einem Geoinformationssystem kann jede Region, jeder Bezirk und jeder Sozialraum mit den vor Ort wichtigen Informationen angereichert und als Karte dargestellt werden. Auf diese Weise lassen sich komplexe Zusammenhänge auf einen Blick erfassen und werden begreifbar. Auch eine „Was wäre, wenn…“-Option kann leicht dargestellt werden. Wie würde sich ein Dekanatsbezirk verändern, wenn die Anzahl der Kirchengemeinden halbiert würde? Wo ist eine Zusammenarbeit besonders sinnvoll und wo kann mit anderen sozialen Einrichtungen im Stadtteil zusammengearbeitet werden?

Durch die Beschäftigung mit den Kartendaten wird immer ein kreativer Prozess in Gang gesetzt. Das funktioniert im Grunde nicht anders, als auf einer analogen Landkarte spielerisch mit Bauklötzen und Wollfäden zu experimentieren und Ideen Ausdruck zu verleihen. Oft ist es gerade der Wechsel der Perspektive, von einem Fokus auf den Mangel hin zu einem Fokus auf die Fülle von Ideen und Optionen, der es den Entscheider*innen vor Ort ermöglicht, einen Konsens für die notwendigen Entscheidungen zu finden.

Wenn Sie selbst Interesse am Geoinformationssystem der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern haben, können Sie sich gerne an mich wenden.


Fußnote


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