veröffentlicht am 01. Juni 2022
von Damaris Sonn, Referentin für Pädagogik und Vernetzung der AEEB

Networking ausdrücklich erwünscht auf www.elkb-digital.de!

Heute geht das gemeinsame Digitalportal von AEEB, Diakonie und ELKB unter www.elkb-digital.de an den Start. Hier finden Nutzer*innen viele Informationen und Inspirationen rund um digitale Themen in der Kirche. Hier finden sich: ein Netzwerk mit Ansprechpersonen, Netzwerktreffen, Social Media Vernetzungsmöglichkeiten, digitale Anwendungen aus den Bereichen Digitales Arbeiten, Digitales Lernen, Informationen zur Digitalstrategie der ELKB, Studien und Förderungsmöglichkeiten. Zentrales Instrument ist ein regelmäßig befüllter Blog, der digitale Projekte, persönliche sowie fachliche Einschätzungen und Erfahrungen präsentiert. Alle Beiträge kommen von Kolleg*innen, die ihr Wissen und ihre Erfahrungen ELKB-weit teilen wollen. Und das Beste: Die Kolleg*innen sind ansprechbar bei Rückfragen, für den kollegialen Austausch, und neue Autor*innen für den Blog sind jederzeit herzlich willkommen, das Digitalportal mitzugestalten.

Digitalisierung. Megatrend. Modewort. Omnipräsenter Einflussfaktor.

Die Digitalisierung ist einer der weltweiten Megatrends, der unser Leben massiv beeinflusst. Wirtschaft und Gesellschaft entwickeln sich schon lange weg von den analogen Technologien des Industriezeitalters hin zu ubiquitären digitalen Technologien und Innovationen. Vor der Kirche macht die Digitalisierung keinen Halt, den Anfang machten Datenverarbeitung und Arbeitswelt, später digitale Informationen wie Websites und Intranets. Spätestens mit der Corona-Pandemie ist die digitale Transformation mit wesentlichen Aspekten der Kollaboration, der Vernetzung und dem Austausch von Mitarbeitenden, Ehrenamtlichen und Mitgliedern in der Kirche angekommen.

Von „das Netz sinnvoll nutzen“ zu Networking und Kollaboration ohne Silodenken

Schon 2012 hatte sich die ELKB mit der Internetstrategie „das Netz sinnvoll nutzen“ mit dem Internet und Social Media auseinandergesetzt, gefolgt von der aktuellen Digitalstrategie von 2019, die den PuK Reformprozess der Landeskirche aufgriff und den digitalen Kulturwandel mit einem iterativen Entwicklungsprozess nutzerorientiert und agil gestaltete. Aus allen kirchlichen Werken und Arbeitsbereichen wurden Digitalisierungsprojekte inhaltlich und finanziell gefördert, später auf der ursprünglichen Seite www.elkb-digital.de veröffentlicht.
Während der Evaluation der Digitalstrategie entstand der Wunsch, auf dem Portal nicht nur eine Projektübersicht darzustellen, sondern „die Erkenntnisse und Erfahrungen aus den vielen verschiedenen Projekten bestmöglich nutzbar zu machen und anderen als Inspiration oder Best Practice zur Verfügung zu stellen“ erklärt Marlies Barkowski, Projektleiterin der Evaluation der Digitalstrategie der ELKB. Auch die beteiligten Projektteams wollten ihre Herausforderungen und ihre positiven Erfahrungen anderen Mitarbeitenden in der Kirche zugutekommen lassen. Immer wieder kamen Fragen zur digitalen Struktur innerhalb der ELKB auf: Wer ist für was zuständig? Wo finden wir welche Informationen? Gibt es Empfehlungen der ELKB in bestimmten Bereichen? Und tatsächlich gibt es viele digitale Expert*innen in der Landeskirche, die in den von der Digitalstrategie geförderten Projekten, aber auch ganz unabhängig davon, die Digitalisierung in der Kirche vorantreiben, mitunter aber nicht voneinander wissen.

Neuland – Ein gemeinsames Digitalportal für AEEB, Diakonie und ELKB

Ein Gespräch mit den fachlich Verantwortlichen: Alexandra Kohle (Projektleiterin Digitale Professionalisierung, AEEB), Jürgen Pelzer (Projektleiter Vernetzte Vielfalt, Diakonie Bayern) und Marlies Barkowski (Projektleiterin Evaluation Digitalstrategie, ELKB)

Worum geht es beim Digitalportal?

Marlies Barkowski: Das gemeinsame Digitalportal ist der Startpunkt für die Vernetzung der Digitalisierungs-Fachleute untereinander. Auf viele der oben genannten Fragen werden diese Fachleute den Nutzer*innen Antworten geben können. Das Portal bietet Informationen und Inspiration rund um digitale Themen, einen Überblick über Strukturen, strategische Überlegungen und Studien in der ELKB und vor allem eine Vielzahl von Ansprechpersonen zu einzelnen Fachgebieten und Fragestellungen. Zentrales Element ist ein Multiautorenblog.
Alexandra Kohle: Der Blog ist gerade deswegen so wichtig, da die Zahl der Menschen die sich informell weiterbilden zunimmt, während die non-formale Bildung eher abnimmt. Nachdem unsere Aufgabe aber die niedrigschwellige Bildung ist, müssen wir eben auch informelle Bildungsangebote machen. Die einfachste und flexibelste Lösung dafür ist ein Blog.
Jürgen Pelzer: Und was will dieser Blog erreichen? Wir alle erleben in der Landeskirche, in der Erwachsenenbildung, in der Diakonie digitale Transformationsprozesse. Wir, und die vielen Autorinnen und Autoren des Blogs, arbeiten an Stellen der Transformation und haben Prozesse und Projekte digital umgesetzt. Wir sehen in dieser Veränderung Chancen für die eigene und die gemeinsame Mission. In unserem Blog tragen wir aktuelle und interessante Erkenntnisse, Erfahrungen und Erlebnisse rund um digitale Themen zusammen, um möglichst konkret Chancen und Einsatzmöglichkeiten für digitale Transformationen zu beschreiben. Möglichst viele Menschen in unserer Kirche sollen von diesem gemeinsamen Wissensschatz profitieren.

Seit Monaten arbeitet ihr als rein digitales Team zusammen. Präsenztreffen Fehlanzeige. Trotzdem entsteht ein die kirchlichen Werke übergreifendes Digitalportal. Was bedeutet Digitalisierung für euch persönlich?

Alexandra Kohle: Die Digitalisierung ist seit fast zehn Jahren mein Beruf, bei mir dreht sich alles um digitales Arbeiten, digitale Prozesse und digitale Didaktik. Die Digitalisierung ist für mich zudem der Grundstein für eine ausgewogene Work-Life-Family-Balance. Und dass digitales Arbeiten super funktionieren kann, zeigt unsere gemeinsame Arbeit hier. Sie hat mir auch gezeigt, dass man mit Digitalisierung und vernetztem Arbeiten in der Kirche unheimlich viel bewegen kann.
Jürgen Pelzer: Für mich bedeutet die Digitalisierung vor allem Verbundenheit. Ich komme aus einem kleinen Dorf in der Eifel, das Internet war für mich der Zugang zur Welt. Früh war ich in sozialen Netzwerken unterwegs. In den letzten Jahren bin ich neunmal umgezogen, sechs Städte, drei Bundesländer. Dank der sozialen Netzwerke blieb ich immer verbunden mit meinem Freundeskreis. Menschliche Verbundenheit wird eben auch digital ermöglicht. Beruflich habe ich viel mit sozialen Netzwerken, Messengern und Collaboration Tools zu tun gehabt. In der Diakonie läuft noch viel über E-Mails und den Versand von Dateien, es ist eine sich langsam wandelnde E-Mail-Kultur, was natürlich mit den Tätigkeiten und Arbeitsabläufen in der Diakonie zu tun hat.

Welchem Impact hat die Digitalisierung aus eurer Sicht auf die Kirche?

Marlies Barkowski: Die Digitalisierung in der Kirche nehme ich als Chance wahr. Für die Mitarbeitenden entstehen verbesserte Arbeitsabläufe, Prozesse werden verschlankt. Zudem können wir die Menschen auf vielfältige Weise, über unterschiedliche Kanäle ansprechen – auch neue Mitarbeiter*innen können wir so erreichen. Zugleich stellt die Digitalisierung die Kirche auch vor ethische Fragen und Herausforderungen, die nicht unbeachtet bleiben, auf die wir Antworten finden müssen.
Alexandra Kohle: Beim aktuell deutlich zunehmenden Fachkräftemangel wird es auch immer wichtiger werden, für eine Aufgabe oder ein Projekt die passende Person einstellen zu können, egal ob der- oder diejenige in Hamburg im Homeoffice oder in der Münchner Dienststelle arbeitet.

Stichwort Fachkräftemangel – Wieso ist die Digitalisierung hier relevant?

Alexandra Kohle: Vom digitalen Arbeiten profitieren nicht nur die jungen Menschen, nicht nur die Digital Natives. Digitales Arbeiten ermöglicht manchen Menschen überhaupt das Arbeiten, oder auch mehr Stunden zu arbeiten, wenn Fahrtzeiten wegfallen. Familie und Beruf oder die Pflege von Angehörigen zuhause sind so leichter miteinander zu vereinbaren. Auch eine digitale Altersteilzeit ist denkbar, so dass der Übergang in den Ruhestand leichter fällt und die Kolleg*innen ihre Kompetenzen auch von daheim einbringen können.
Marlies Barkowski: Es gibt wirklich viele weitere wichtige Aspekte beim digitalen Arbeiten: Es ist zeitsparend und kosteneffizient – insgesamt merken wir, dass Dienstreisen deutlich weniger geworden sind. Das hatte natürlich mit der Pandemie zu tun, die hier vieles beschleunigt hat. Aber in dieser Zeit haben wir gemerkt, dass viele Besprechungen, aber auch Fortbildungen online durchaus möglich sind, dass die meisten sogar sehr gut funktionieren. Früher sind wir in ganz Bayern unterwegs gewesen, aufgrund der großen Fläche kommen da ganz schöne Strecken zusammen. So sparen wir heute viel Zeit und Geld, wenn die Veranstaltungen, bei denen es fachlich gut passt, eher online stattfinden. Vorher war beispielsweise die Terminplanung für Beteiligte aus unterschiedlichen Regionen mit einem hohen Aufwand verbunden. Heute geht all das viel, viel schneller, was auch dazu führt, dass es oftmals eine frühere und leichtere Einbindung und damit verbundene Synergieeffekte gibt.
Jürgen Pelzer: Die Digitalisierung wirkt auch dem Silodenken entgegen, die kirchlichen Strukturen werden durchlässiger und es entstehen Synergien auf vielen Ebenen.
Marlies Barkowski: Ja, die verschiedenen Einrichtungen der Kirche wachsen noch mehr zusammen, viele arbeiten jetzt übergreifender an den Herausforderungen und Themen unserer Zeit. Die Digitalisierung gibt auch der Mitgliederkommunikation einen Schub. Gemeinde-Apps fördern die Vernetzung und Kommunikation, Gemeinden sind auf Social Media unterwegs. Zum Sonntagsgottesdienst kommen vermehrt neue Formen, die andere Zielgruppen ansprechen. Die Digitalisierung und die Auseinandersetzung mit ihr bringt uns auch dazu, uns mit unserer Kirche auseinanderzusetzen. Da dreht es sich um die Frage nach dem Kern der Kirche. Die Menschen fragen sich, was genau ihnen Kirche bringt und welche Positionen Kirche bezieht im gesellschaftlichen Miteinander.
Klar ist aber auch, dass die Digitalisierung kein Allheilmittel ist. In der Kirche müssen sich die Strukturen weiter verändern, was ja auch schon Schritt für Schritt geschieht. Denn Abläufe, die nicht gut funktionieren, werden nicht zwangsläufig besser funktionieren, wenn sie digitalisiert wurden.

Ein Digitalportal für Prosument*innen – Was bedeutet das?

Jürgen Pelzer: Das Tolle beim Digitalportal ist das Bottom-up-Prinzip. Die Nutzerinnen und ihre Bedürfnisse und Themen stehen im Zentrum. Ähnlich wie bei YouTube, der weltgrößten Videoplattform, bei der es heißt: „Du bist die Sendung“ – das ist das Prinzip bei Social Media. Jeder geht auf Sendung. Und wir können uns als Kirche auch fragen, was die Menschen auf Social Media uns anbieten, im Sinne einer gabenorientierten Sicht – wie wirkt denn da der Heilige Geist? Es geht hier um reziprokes Handeln. Die Nutzerinnen wandeln sich von reinen Konsumentinnen zum Prosumentinnen, die nicht nur konsumieren, sondern auch selbst Inhalte produzieren.
Genau diesen Schritt macht das Digitalportal mit. Alle Mitarbeitenden, die mit Themen und Fragestellungen rund um Digitalisierung in AEEB, Diakonie und ELKB zu tun haben, können das Portal mit ihren Fragen, ihrem Wissen und ihren Kompetenzen gestalten. Das Portal ist so auch ein guter Zugang für neue und junge Mitarbeitende. Es erleichtert das Andocken bei Kirche und Diakonie als Arbeitgeber und bietet viel Dynamik, Netzwerken und Austauschen.
Marlies Barkowski: Das Digitalportal spiegelt hier die Bedürfnisse wider….
Alexandra Kohle: …nach Vernetzung und Austausch von Informationen…
Marlies Barkowski: …und das Netz wird immer größer, je stärker sich die Einrichtungen und Gemeinden auch auf Arbeitsebene vernetzen. Das Digitalportal soll diese einrichtungsübergreifende Zusammenarbeit und Vernetzung in Zukunft weiter stärken.
Jürgen Pelzer: Durch die Vernetzung und Digitalisierung wird auch die Vielfalt der Kirche für die Menschen sichtbarer. Kirche sind viele. Es gibt verschiedene Positionen und Meinungen zu allen möglichen Sachverhalten, keinen Einheitsbrei. Das ist auch wichtig für die Gesellschaft, zu sehen, dass es keine starren Positionen gibt, sondern dass Kirche diese gesellschaftliche Vielfalt auch abbildet.

Digitalkompetenz #Theologische Digitalisierung

Klar ist, dass viele Fragestellungen nicht einfach durch Hard- und Software gelöst werden. Dafür benötigen die Nutzer*innen Kompetenzen, Methoden, Tools, die durch entsprechende Didaktik gelernt werden. In diesem Kontext wird das Digitalportal ein Ort der Information und Inspiration sein. Es soll dabei helfen, Potentiale auszuschöpfen, es dient als Inspirationsquelle. Der kluge Einsatz digitaler und sozialer Medien sowie von Tools für die Zusammenarbeit führt schnell zu einer Effizienzsteigerung, reduziert Zeit- und Kostenaufwände. „Das Rad muss nicht jedes Mal neu erfunden werden, wenn ich bei einem Thema schnell die Kollegin aus der Diakonie kontaktieren kann, die für ein ähnliches Problem schon eine Lösung entwickelt hat“, betont Alexandra Kohle.
Zugleich bedarf es einer theologischen Digitalisierung. Die digitale Welt ist die Lebenswelt vieler Menschen, vor allem der jüngeren Generationen. „Und unsere Kirche ist Kirche in der Welt. Digitalität ist eine Lebenswelt und da will Kirche hin, zur Ansprache und Begegnung,“ ergänzt Jürgen Pelzer. Kirche in der Welt und Kirche als Arbeitgeber*in setzt sich damit an vielen Stellen auseinander. „Da haben wir auch noch einiges vor uns, wenn ich zum Beispiel an Datenschutz und die Nutzung von Messengerdiensten denke, die vielfach ein guter Draht zu Mitgliedern und Ehrenamtlichen sind“ so Pelzer weiter.

Digitalportal ab Juni online

Die vielen Erkenntnisse aus der Digitalstrategie und den eingereichten Projekten, zu Streaming, zur internen Kommunikation, zur digitalen Didaktik etc. werden im Digitalportal gebündelt für alle Nutzer*innen – wichtig auch für neue Mitarbeitende und für den Austausch, um redundantes Arbeiten in der Kirche zu reduzieren. Langfristig soll zudem ein Technik-Verleih aufgebaut werden, so dass auf lokaler und regionaler Ebene technische Geräte wie Beamer, Soundbars und Kameras gemeinsam genutzt werden können. Das reduziert Kosten für kirchliche Einrichtungen und schont die Umwelt. Wiederum trägt es zur Vernetzung bei, wenn Mitarbeitende und Ehrenamtliche über ihre Gemeinde hinaus in Kontakt kommen, zusammenarbeiten, ein weiterer zentraler Aspekt des PuK-Prozesses. Heute geht das Portal an den Start: www.elkb-digital.de – alle an der Vorbereitung Beteiligten wünschen viel Spaß beim Lesen, Stöbern und Inspirieren.